Mein eigener kleiner Wahnsinn.

 
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Geht es dir besser? Du siehst gesund aus!

Tja, was soll man darauf antworten wenn die Gedanken in meinem Kopf gerade alles in Schutt und Asche legen. Wie Frankensteinsmonster jagen meine Gedanken mein Ich und versuchen es nieder zu brennen.

Danke, mir gehts gut!

Es ist eine Floskel die man schon so gut einstudiert hat, dass sie einen leichter über die Lippen geht als ein Labello. Und genau das will der Andere doch hören. Denn genau so beiläufig wie die Frage gestellt wird, genauso ist sie auch gemeint. Ich lehne mich weit aus dem Fenster, aber kaum einer will WIRKLICH wissen wie es einem geht. Es ist Höflichkeit. Gewohnheit.

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Und wenn man doch ehrlich ist und sagt: "Mir geht's schlecht. Ich will nicht hier sein. Ich hasse mich und das alles." Bekommt man halbgare Ratschläge die einen aufmuntern sollen. "Ach das wird wieder" "Versuch doch einfach mal glücklich zu sein" "Iss doch einfach mehr" "Aber du hast doch garkeinen Grund dich schlecht zu fühlen" "Vielleicht habe ich was falsch gemacht"

Guess what? Das hilft nicht! Das muntert nicht auf! Es ist genauso hilfreich wie Schwimmflügel während man in einer Pfütze sitzt. Doch leider kann das meist keiner Verstehen oder sogar versuchen es anders zu machen. Ich denke oft wenn jemand ähnliche Probleme hat müsste er einen doch verstehen, oder? NEIN. Nur weil jemand Ähnliches durch macht oder durch machte versteht er einen selbst nicht. Ich bin allein. Alleine mit der hetzenden Meute in meinem Kopf.

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Und was kann man nun tun? Keine Ahnung. Dies ist keine Anleitung. Es gibt nie eine richtige Art mit Psychischer Erkrankung um zu gehen, ausser sie ernst zu nehmen und einfach da zu sein. Verständnis ist das größte Gut. Denn niemand möchte noch angepflaumt werden, weil er nicht so funktioniert wie es normale Menschen tun!

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Ich bekomme professionelle Hilfe, aber allein bin ich trotzdem noch. Wie überlebt man einen Waldbrand im eigenen Kopf. Wie bestreitet man einen Alltag wenn man es verlernt hat? Wie stoppt man ungesunde Gewohnheiten die einem ein sicheres Gefühl vermitteln.

Wenn ich das alles wüsste, wäre alles einfacher. Ich hätte die Lösung für mein Leiden, eine Heilung für meine Seele. Doch leider habe ich es noch nicht gefunden.

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Es gibt auch gute Tage. Nicht alles ist schlecht. Nicht alles ist dunkel. Aber anzunehmen alles ist ok, nur weil es einen mal gut geht ist ein fataler Fehler. Für eine Zeit dachte ich: "Ich schaffe das, ich fühle mich gut, es läuft doch" Und plötzlich von einem auf den anderen Tag schlägt einem die blanke Realität in die Fresse bis man blutend auf dem Boden liegt. Zu früh gefreut. Schmerzen die so tief in der Seele liegen sind nicht einfach verschwunden durch einen oder zwei gute Tage. Das musste ich erkennen. Das müssen alle erkennen.

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Bedeutet das aufgeben? Nein. Alle die noch da sind trotz ihrer Schmerzen geben nicht auf. Ein Ausweg findet sich schnell, aufgeben ist leichter als weiter zu hoffen. Irgendwo ist immer ein Funken der uns aufleuchten lässt, der uns kurz Hoffnung schenkt und uns rettet bevor wir aufgeben können. Dieser Funken muss gefüttert werden. Mit wundervollen Erlebnissen, Liebe, Vertrauen, Bestätigung und Mut. Es dauert lange, es ist nie einfach aber am Ende ist es das wert gewesen. Am Ende gehen wir stark, Hand in Hand mit uns selbst, Richtung Glückseligkeit.

Ich halte mich fest. Ich halte mich an all dem Fest, das mir Kraft gibt. Die Liebe meines Partners, das Vertrauen meines Hundes, das strahlen in den Augen meines Neffen. Egal wie klein es sein mag, ich sammle es in meinem Herzen und nähre damit meinen Funken. Er wird wachsen und mich immer schneller auffangen bis er irgendwann alles überwiegt und mir den richtigen Weg zeigt.

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bis bald.

       Angi