Dunkelheit

 
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Wie oft wurde ich in letzter Zeit gefragt ob das Hoch der Verlobung noch anwirkt. Wie oft wurde mir gesagt ich "müsste" doch jetzt glücklich sein. Wie oft habe ich gelogen um anderen und mir zu beweisen es wäre alles gut.

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82.


82 Tage bin ich nun clean. Clean mir selbst in die Haut zu schneiden. Unangenehmer Gedanke oder? Und doch ist er immer wieder verlockend.
Natürlich gibt es 1000 Wege sich anders zu verletzen, als zu schneiden. Und immer wieder flammt eine neue Möglichkeit für mich auf. Nicht alles sieht auf dem ersten Blick nach Selbstverletzung aus. Aber sich immer im Weg zu stehen seinen großen Traum zu erfüllen, oder mit Absicht sich so lange irgendwo gegen zu drücken bis ein blauer Fleck entsteht sind nur ein paar Wege die ich entdeckt habe.

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Wie oft denke ich darüber nach alles hinter mir zu lassen und irgendwo neu zu beginnen. In einem Land wo mich keiner kennt. Und dann denke ich über einen Satz nach der mir während eines Fotografie Praktikums - was übrigens Scheiße war - gesagt wurde:

"Wenn du es dort nicht kannst, wo du gerade bist - kannst du es nirgends."

Vermutlich das einzige Nützliche, dass ich aus diesem Praktikum mitgenommen habe, denn so falsch ist es garnicht. In den letzten Jahren kann ich meine Fotografie wachsen sehen. Ich kann sehen wie sie sich verändert, stärker wird und langsam ihre endgültige Form annimmt. Und wenn es soweit ist kann ich weiter ziehen.

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Und dieses Verfahren kann ich auch auf meine Psyche projizieren. Sobald sich meine wahre und richtige Persönlichkeit aus ihrer gestörten Hülle gepellt hat kann ich weiter ziehen und mich zu dem entwickeln, was ich immer hätte sein sollen.

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Doch im Moment scheint mich die Dunkelheit zu verschlingen. Jeder Tag fühl sich ewig an. Eine Stunde ist wie 4 und jeder Blick in den Spiegel scheint ein Blick in eine andere Dimension zu sein. Es ist schwer sich auf das Licht zu konzentrieren, wenn einem die Dunkelheit die Augen zuhält. Oft will ich ausbrechen. Alles in brannt setzen und brüllend aus dem Gebäude rennen. Doch mir fehlt das Werkzeug. Mir sind die Hände gebunden. Ich weiß nicht ob es anderen ähnlich geht, aber ich will da raus, weiß nur nicht wie.

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Es gibt immer wieder diese Rückschläge. Erst fühlt es sich an als könnte man die Welt erobern und plötzlich stürtzt man einen steilen Hang hinunter in sein tiefes kleines Loch, das man schon all zu gut kennt. Zwei Schritte vor, einen zurück. Manchmal auch fünf zurück...

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Wie ich damit klar komme? - Komme ich nicht.
Wie ich es schaffe mich nicht zu schneiden? - Ich will nicht nochmehr Narben!
Wie ich es schaffe Hoffnung zu bewahren? - Ganz ehrlich, manchmal sehe ich keine Hoffnung mehr. Und dann ganz plötzlich kommt aus der anderen Ecke des Zimmers Atlas. Mein Seelenhund. Er sieht mich an mit einem Blick den ich kaum in Worte fassen kann. Es ist ein Blick voller Schmerz, Verzeihen und Liebe und unglaublich aufrichtiger Ermunterung. Er sitzt vor mir schaut mich an und beginnt einfach meine Hände oder Füße abzuschlecken. Wie ein Eis am Stil. Er stoppt nach einer weile und legt seinen Kopf auf meine Füße oder Beine und ist einfach bei mir. DAS. Das ist es was mir Hoffnung gibt.

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Wenn mein Verlobter endlich nach Hause kommt mich anstahlt und in die Arme nimmt. Wenn er mir sagt wie sehr er an mich glaubt und wie unglaublich gut er meine Arbeit findet. Wenn er mir davon erzählt wie er sich unsere Zukunft vorstellt. Das. Das gibt mir Hoffnung.

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Wenn mir Menschen aus fernen Ländern schreiben, dass sie an mich glauben. Wenn diese Menschen mittlerweile zu Freunden geworden sind. Ich weiß sie kann dies nicht lesen aber, Evelyn I love you. Ganz aus Argentinien schickt sie mir ihre Unterstützung.

Das alles gibt mir Hoffnung.
Das alles gibt mir den Willen weiter zu machen.

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Auch wenn es in mir gerade aussieht wie ein abgerissenes Haus, so weiß ich doch, dass ich dabei bin es neu aufzubauen. Diesmal wird es eine starke Festung. Ich werde es schaffen, ich werde dieses Leben leben und es zu dem besten machen.

Angi.