Sächsische Schweiz - ein ruhiger Ausklang

Lange musstet ihr nun auf den letzten Teil der Sächsischen Schweiz warten - dafür ein großes TUT MIR LEID! Die letzten Wochen waren sehr aufgeladen und aufregend. Familiendramen, unsere Standesamtliche Hochzeit und Planungen für zukünftige Ereignisse haben sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Dafür hier nun der Bericht für die letzten Zwei einhalb Tage des Wandertrips im Elbsandsteingebirge:

Der Mittwoch sollte extrem heiß werden, also war mein Plan für diesen Tag eine eher gemütlichere Runde zu machen und viel in der Nähe vom Wasser zu bleiben. Morgens ging es direkt mit der kleinen Fähre auf die andere Uferseite um dann Richtung Schöna zu laufen. Der Weg ist perfekt für Fahrradfahrer ausgelegt und angenehm zu laufen, erst wenn man dann Links abbiegt um den Hirschgrund hoch zu gehen, wird es etwas anstrengender. Dort gibt es nämlich wieder eine kontinuierliche Steigung. Aber, was mich besonders freute, ganz viel Wasser! Von Schöna aus fließt nämlich ein kleiner Bach bis runter zur Elbe. Die Luft dort war herrlich kühl und feucht, die Bäume bildeten einen dichten Schutz vor der prallen Sonne. Immer wieder blieben wir stehen und Atlas konnte sich im Bachlauf abkühlen.

Das eigentliche Ziel dieses Tages war die Kaiserkrone, ein großer Brocken der quasi direkt gegenüber der Kipphornaussicht liegt. Der Weg dorthin war recht entspannt, nicht zu anstrengend aber es war wahnsinnig heiß. Wir mussten viele Pausen machen und waren dann heilfroh als wir endlich das Panorama erreicht hatten und uns endlich im Schatten ausruhen konnten.

Die Aussicht war herrlich. Der Blick auf das Elbsandsteingebirge und die weiten Felder die um die Kaiserkrone lagen, waren wahrlich malerisch. Kein Wunder also, dass der Künstler Caspar David Friedrich hier seine Inspiration für sein “Wanderer über dem Nebelmeer” Gemälde hernahm.

Die Strukturen dieser Gesteine ist noch immer faszinierend für mich. So weicher Stein, der so scharfe und harte Kanten hat. Die ganzen kleinen Nischen sind pefekte Lebenräume für allerlei Getier. Die Farben sind perfekt auf einander abgestimmt, es ist als hätte Mutter Natur diese Steine aus Ton geformt und selbst bemalt. So perfekt und bezaubernd. Die Felsspalten werden von vielen Menschen jedoch als Mülltonne genutzt. Überall lagen Zigaretten Stummel, Verpackungen von Schokoriegeln, Glas und sogar ein Tampon.
Es ist für mich unbegreiflich, wie man so mit dem eigenen Lebensraum umgehen kann.

Wir genossen die kühlen Felsen und den weichen Sand für eine ganze Weile bevor wir uns wieder auf den Rückweg in die Pension machten. Es war noch früh am Tag, aber es war einfach zu warm, als das wir hätten weiter Wandern können. Mein Kreislauf machte schlapp und auch Atlas war erschöpft. Wir gingen den selben Weg wieder zurück und ließen uns nochmal ausgiebig vom Bachlauf abkühlen, bevor wir wieder die Fähre nach Schmilka nahmen.

Zurück in der Pension angekommen, haben wir erstmal ein Mittagsschläfchen gehalten. Das tat so gut, einfach nur mal wieder zu entspannen, denn der Schreck vom Dienstag steckte mir noch immer tief in den Knochen.
Nach einer Weile und 1-2 Stündchen Schlaf ging es nochmal raus für einen kleinen Spaziergang an der Elbe mit abschließendem Essen im Biohotel Helvetia. Beim Spaziergang konnte ich nochmal richtig die Sonne genießen, da sie nun sehr tief stand und bei weitem nicht mehr so intensiv aufheizte wie noch ein paar Stunden zuvor. Wir liefen einfach die Elbe rauf, spielten auf Wiesen und ließen unsere Seelen baumeln. Atlas so glücklich und verspielt zu sehen, erwärmte mir das Herz und erinnerte mich daran wie wertvoll jeder einzelne Moment mit diesem Wesen ist.
Ich reise nicht alleine. Ich reise mit meinem Seelenverwandten. Meinem besten Freund und meinem Herz. Es ist ein bitteres Glücksgefühl, denn im Hinterkopf weiß man immer, dass dieser Hund leider nicht immer da sein wird. Diese Gedanken versuchte ich immer wieder weg zu schieben, denn jetzt in diesem Moment ist er da. Mein Atlas. Und er rennt, kugelt und freut sich - ich sollte mich mit ihm freuen und nicht an etwas denken was noch lange nicht passiert.

Nach einem sehr leckeren Veganen Spaghetti Cabonara und Dessert Menü ging es zurück in unsere Unterkunft. Duschen und ins Bett. Tag 3 endete mit einem vollen Bauch und ein haufen Vitamin D.


Tag 4 in der Sächsischen Schweiz sollte regnerisch werden und sogar ein Gewitter war im Anmarsch. Endlich! Die Hitze der letzten Tage war langsam extrem unangenehm geworden und auch der Wald um uns war am ächzen, unter der Sonne.

Aufgestanden und mit frisch gewaschenen Klamotten (dank Reise-Waschmittel) ging es los nach Hřensko zum Prebischtor. 7km lagen vor uns. Über die Grenze ging es vorbei an Duty-Free Supermärkten, kleinen Ständen die Fake-Ware verschacherten und sehr herunter gekommenen kleinen Restaurants die nur eine minimale Auswahl an Mahlzeiten anzubieten hatten. Und alle davon klangen mehr als abstoßend.

Der Weg rauf zum Waldbeginn, wo auch der direkte Weg zum Prebischtor startete, war alles andere als schön. Direkt an einer viel befahrenen Straße auf einem Schotterweg mussten wir uns in der prallen Sonne nach oben schlagen. Ich wollte auf Nummer Sicher gehen und bin keinen zwielichtigen Wanderweg von unserer Pension gegangen, wobei das wohl im Nachhinein die bessere Idee gewesen wäre.

Auf dem Weg hoch war ein großer Ansturm von Touristen unterwegs. Indem Moment wusste ich bereits, dass mir das Prebischtor nicht gefallen würde, weil es überfüllt sein würde. Der Weg durch den Nadelwald fand ich jedoch sehr schön. Die Luft erinnerte mich an den Harz und die Nadeln auf dem Boden federten die Füße bei jedem Schritt ab. Er mischte sich irgendwann mit feinem Sand und der Untergrund wurde damit nur noch weicher. Über Steine und Wurzeln stiegen wir immer weiter auf. Der Weg war gesäumt von großen Felsen die oft mit saftigem Moos überzogen waren. Die Luft war feucht und warm, ein angenehmer kitzelnder Geruch von Harz und Nadeln lag in ihr. Wären jetzt noch die ganzen Touristen verschwunden, wäre es ein wahrlich magischer und verzaubernder Weg gewesen.

Oben angekommen, war ich erst begeistert. Immerhin ist das Prebischtor die größte natürliche Sandsteinbrücke Europas, mit einer Spannweite von 26,5m, 16m Höhe und einer Torbogenstärke von 3m ragt es imposant aus dem Gebirge. Der zweite Blick jedoch war sehr ernüchternd. Direkt unter dem Tor befindete sich nämlich ein Tourispot. Restaurant, Souvenirshop und Hotel, alles privatisiert bezahlt man sogar Eintritt nur um dort ein bisschen rumlaufen zu können. Die Frage ist nun, wieviel von diesem Eintritt der Natur zu Gute kommt. Ich schätze mal garnichts, denn die “Anlage” war mit vielen Bänken und Picknic Tischen ausgestattet und bestens für den Tourismus ausgelegt. Über Treppen konnte man auf die Spitze der Felswand gelangen, jedoch nicht auf’s Prebischtor selbst. Dieses ist seit Jahren abgesperrt, da die vielen Touristen es sonst zum einstürzen bringen könnten….

Ich suchte mir die äußerste Ecke die ich finden konnte um den Schulklassen und den Großfamilien zu entfliehen. Setzte mich an die Kante der Absperrung und versuchte wenigstens für eine Weile die Menschenmenge zu vergessen.

Nach nichtmal einer Stunde machten wir uns wieder auf den Weg runter. Immer das Wetter im Blick, denn in den nächsten Stunden sollte das Gewitter beginnen. Ich wollte jedoch nicht wieder zurück zur Unterkunft, ich wollte erst noch zur Kamnitzklamm. Also wieder den Weg runter den wir auch gekommen waren, mit nun deutlich weniger Touristen im Schlepptau.

Unten angekommen gelangen wir wieder in den Touri Strom, der natürlich auch in die Klamm reinwanderte. Zum Glück (oder auch trauriger Weise) hechten die meisten Touristen durch die Natur, wie durch einen Supermarkt. - Und nichtmal durch einen Supermarkt der tolle Angebote hat, eher so ein Supermarkt in den man nur rein geht weil man noch eine Packung Mehl braucht und an allem anderen einfach vorbei zieht. - Dieses nicht vorhandene Bewusstsein für die Natur ist mir unerklärlich.
Am Eingang der Klamm stand eine Infotafel mit Details und Regeln die die Natur schützen sollten. Mindestens drei von den verbotenen Dingen habe ich aber allein in einer Stunde dort beobachten können. Müll, Rauchen, laute Musik die aus billigen Handylautsprechern scheppert und Menschen die über Abzäunungen klettern und in die Lebensräume wilder Tiere eindringen und sie zertrampeln.
Ein schreckliches Bild.

Da die Klamm ein sehr langer Fluß ist, teilten sich die Herden gut auf und Atlas und ich konnten tatsächlich häufiger Luft holen und einfach nur genießen. Denn die Umgebung dort ist traumhaft. Grün und saftig erstrecken sich dort Lebensräume und kleine Welten. Libellen, Vögel, Fische und was nicht noch alles, gab es dort in Hülle und Fülle. Die Libellen sahen fast aus wie Elfen die miteinander tanzten und an jeder Ecke vermutete ich einen Luchs der von den großen Felsen runter spähte.

Wir gingen bis zum Ende bzw. dort wo die Bootstouren für die Touristen starteten, denn Atlas hätte nur mit einem Maulkorb mitkommen können. Mir kam das aber gelegen, denn alles ohne die Menschenmassen war mir lieber. Wir gingen also zurück, konnten nochmal das Wasser und das herrliche grün genießen bevor es wieder in das kleine triste Dorf ging. Dort begann dann aus heiterem Himmel das Gewitter. Früher als erwartet! Schnell dem Rucksack den Regenschutz übergestülpt und mir schnell die Regenjacke übergeworfen gingen wir eines etwas schnelleren Schrittes im strömenden Regen zurück nach Deutschland.

Als wir in der Pension ankamen waren wir beide sehr nass. Meine Regenjacke ist nicht die Beste und Atlas Regenmantel habe ich garnicht erst mitgenommen. Der war natürlich bis auf die Haut durchnässt und garnicht begeistert. Ich rubbelte ihn für bestimmt 15 min trocken und trotzdem wuselte er sich auf dem Teppichboden weiter. Das ganze rumgeschubber machte ihn irgendwann so müde, dass er direkt auf dem Boden einschlief. Ich zog mich um packte schon ein paar Sachen und machte mich dann erneut auf zum Bio Hotel, da mir das Essen dort wirklich sehr gut geschmeckt hatte. Atlas durfte in der Pension weiter schlafen und war auch als ich wieder kam noch immer an der selben Stelle, an der ich ihn zurück gelassen habe. Ich genoß den letzten Abend in vollen Zügen und gönnte mir Veganes Gyros und Vegane Crème brûlée. An meinem Tisch saßen zwei Frauen, die gerade erst angekommen waren und die nächsten Tage ebenfalls durch das Elbsandsteingebirge wandern wollten. Wir tauschten uns aus und ich erzählte von meinen Strecken. Leider hat man solche Begegnungen selten - wir Deutschen sind sehr fremdenfeindlich und verschlossen. Umso schöner war es mit den Beiden zu sprechen und ihnen dann einen schönen Aufenthalt zu wünschen. Auch bei dem Kellner verabschiedete ich mich, er hatte mich vom Vorabend erkannt und wünschte mir eine gute Heimreise. In der Pension packte ich alles ein, was ich morgens nicht mehr brauchen würde und ging früh schlafen.


Freitag lief dann ganz anders als geplant. Natürlich wollte ich den Tag nochmal nutzen um andere Ecken im Gebirge zu sehen, also hatte ich eine Strecke zur Kleinen Bastei und dann nach Bad Schandau geplant. Früh Morgens checkte ich aus und wir liefen hoch Richtung Wald. Leider machte ich die Rechnung ohne Atlas, der so motiviert wie ein Lappen hinter mir her dümpelte. Wir sind die letzten Tage bestimmt über 30km gelaufen und seine kleinen Beine und Pfoten waren erschöpft. Immer wieder blieb er stehen und starrte mir hinterher. Mein Stolz war angefressen, wollte ich doch unbedingt nochmehr Kilometer zurück legen.

Ich ließ meinen Ehrgeiz fallen, nahm Atlas auf den Arm und lief wieder zurück Richtung Elbe. Wir nahmen die Fähre und danach direkt die Bahn nach Bad Schandau. Dort konnte sich Atlas noch für ein paar Kilometer begeistern lassen, sodass ich einen Magneten kaufen konnte und einen kleinen Salat in einem Restaurant essen konnte. Der übrigens wahnsinnig langweilig war…

Ich hatte den Zug nach Hause erst spät gebucht, ich wollte ja den Tag noch nutzen. Also verbrachten wir fast 7 Stunden nur mit Warten. Das einzig tolle war die Dame die extra für uns angehalten hatte und uns zum Bahnhof fuhr als sie sah wie ich Atlas den ganzen Weg geschleppt hatte. So lagen wir also am Bahnhof auf einer Bank, beobachteten die Wolken und ich hörte mir mein Herr der Ringe Hörbuch an.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam endlich unser Zug, leider keine direkte Verbindung, was den Heimweg umso ungemütlicher machte. Atlas schlief jedoch die ganze Zeit und ruhte sich aus, während ich mich mit einem 15 Jährigen Jungen unterhielt, der entweder sehr aufgeschlossen war oder gewisse autistische Züge aufwies. Aufjedenfall wurde so der erste Teil der Strecke wenigstens nicht langweilig.

In Berlin endete der Zug und wir machten Draußen eine kurze Gassirunde, bevor wir aufs Gleis gingen und warteten. Zum Glück war dieser ICE extrem ruhig, denn die ganzen Leute quetschten sich auf nur 3 der 9 Waggons. Im Ruhewagen konnte ich dann endlich runter fahren und mich vollends entspannen.
Hallo Hamburg

Das Fazit dieses Wandertrips fällt nicht so euphorisch aus wie das aus dem Harz. Atlas’ Unfall zieht über dem ganzen Urlaub einen dichten dunklen Schatten und die Mengen an Touristen und mangelnder Ruhe gestaltete den Urlaub anstrengender als er hätte sein müssen. Sollte ich dort noch einmal hin fahren, dann nur ausserhalb der Saison und ohne Atlas. Natürlich war die Natur und die Gebirge beeindruckend, aber es hat mich nicht so intesiv ergriffen wie der Harz oder Amrum.

Ich denke für Leute die einen sportlichen Wander- und Kletterurlaub suchen, ist das Elbsandsteingebirge perfekt. Am besten ohne Hund oder wenn, dann darauf vorbereiten Vieles nicht besichtigen zu können und viele Umwege nehmen zu müssen.

Dies war nun der letzte Teil zur Sächsischen Schweiz.
Entschuldigt diese Verspätung, die nächsten Beiträge sind schon in Arbeit!
Vielen Dank für jeden Leser. ♥

Angi