Edinburgh und das Abenteuer Fliegen

Aufregung ist für die Emotionen die ich vor dieser Reise hatte noch untertrieben. Das erste Mal würde ich in ein Flugzeug steigen und tatsächlich auch damit fliegen. Wer Final Destination kennt, kann sich vorstellen das klein Angi, als sie den Film zum ersten mal mit ca. 6 Jahren gesehen hat, sich so richtig tief eingeprägt hat wie gefährlich Fliegen ist. Und als dann 911 geschah und meine Lehrer der Meinung waren, dass es pädagogisch wertvoll und hilfreich wäre kleine Kinder, Bilder dieses Anschlags malen zu lassen, hatte sich endgültig die Angst ins Hirn gesetzt - Ich weiß noch wie ich weinte als meine Mama in die Türkei flog. So eine Angst hatte ich.

Vor dem Flug versuchten mir alle gut zuzureden, meine Freunde erklärten mir, dass es das sicherste Verkehrsmittel sei. Wie selten Unfälle passieren würden und wie toll sich fliegen doch anfühlt. Das war mir alles egal, denn WENN ein Unfall passiert ist die Überlebenschance extrem gering, außerdem habe ich keine Kontrolle und ich sehe kaum was passiert. Und fliegen ist schön? Es hat einen Grund warum wir Menschen keine Flügel haben… Mal ganz abgesehen von den Naturschäden die dadurch angerichtet werden.

Und trotz allem traute ich mich. Mit meinem Wurzelchakra Stein und vielen und tiefen Atemzügen stieg ich ein. Lustigerweise hatten wir den einzigen Platz ohne richtiges Fenster gebucht, zwar konnte ich raus sehen, aber nur wenn ich mir eine Nackenstarre aneignen wollte. Meinen Stein fest in der Hand, begann das Flugzeug auf die Rollbahn zu fahren. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich hätte am liebsten geschrien, sie sollen mich sofort aussteigen lassen. Die Tränen liefen mir heiß übers Gesicht, in den Ohren hörte ich laut Musik um die Geräusche auszublenden. Das Gefühl als das Flugzeug abhob empfand ich als absolutes Zeichen, dass Menschen nicht in die Luft gehören. Mein ganzer Körper widerstrebte dem Anstieg und ich konnte den Druck auf meiner Haut spüren. Mir wurde schwindelig und ich fühlte mich benommen. Anki beobachtete mich und saß an meiner Seite mit einer offenen Hand, falls ich diese zerquetschen wollte.

Nachdem der Start überwunden war konnte ich mich wieder beruhigen, ein Mann stand sofort auf als das Licht der Gurte ausging und rannte zur Toilette. Eine ganze Weile sah man ihn nicht wieder. Zum Glück ist mir nicht schlecht geworden. Nur mein Kreislauf war, im Gegensatz zu meinem Körper, im Keller. Während des Fluges schaute ich Supernatural und ließ mich davon ablenken, nur abundzu wagte ich einen Blick nach draußen.

Endlich hatte ich auch die Chance Bilder von Wolken zu machen - undzwar von oben!

Die Landung im Gegensatz zum Start war super, denn ich wusste; endlich war ich wieder auf festem Boden. Am liebsten hätte ich den Boden geküsst, als wir ausstiegen.

Und da waren wir. In nichtmal 1 Stunde und 40 Minuten, waren wir in einem anderen Land und einer anderen Zeitzone. Es wirkte so surreal und ich brauchte eine Weile, das erstmal zu verarbeiten.Da wir sehr früh da waren und wir erst um 14h in unserer Airbnb Wohnung einchecken konnten, setzten wir uns erstmal in den St. Andrew Square, einen kleinen Park in der Näher der Unterkunft. Dort planten wir die kommenden Tage. Wir zogen los, mit Sack und Pack gingen wir an der Wohnung vorbei, schauten ob wir schon reinkönnten um dann festzustellen, dass wir leider noch weiter rumtüddeln müssten. Also gingen wir weiter und hakten schon eines unserer “Wanna-See’s” ab. Dean Village.

Mit unseren Koffern und Rucksäcken zogen wir also durch die Dean Private Gardens, erhaschten dabei einen Blick auf’s Water of Leith, einen Flusslauf der sich von Balerno bis nach Leith erstreckt.
Schon da viel uns auf wie grün Schottland ist. Saftige und kräftige Farben spiegelten sich im Wasser und die üppigen Bäume umrahmten den Fluss. Der Blick auf die ersten Häuser des kleinen ehemaligen Dorfes ließen einen Einblick in vergangene Zeiten aufflackern. Alles dort war klein, verwinkelt und sehr braun.

Und ich weiß nicht wieso… aber diese Farbpallette sagte mir sehr zu.

Überall kleine Schätze, wenn man nur genauer hinschaute.
Wir liefen am Water of Leith weiter und waren dann mit einer Wegsperrung konfrontiert die kaum ein Anwohner zu interessieren scheinte. Wir ordentlichen Deutschen jedoch gingen den als lebensgefährlich markierten Weg nicht, immerhin hatten wir immernoch unsere Koffer dabei, die wir über den häuprigen Weg irgendwie hinterher schleifen hätten müssen. Wir trugen die Koffer stattdessen ein paar steile Treppen hoch und entschieden uns wieder zurück Richtung Wohnung zu laufen. Direkt davor waren nämlich die Queen Street Gardens, dort hätte man doch hervorragend warten können, bis wir in die Bude konnten… Tja nein. Diese Parkanlagen sind nämlich tatsächlich PRIVAT! Ohne Schlüssel kommt man dort nirgends rein. Also gingen wir doch wieder zum St. Andrew Square holten uns Eiskaffee und setzten uns auf den fabelhaft grünen Rasen, der komplett frei von Ameisen war. Und ja, das ist ein wichtiges Detail, immerhin saßen wir dort über zwei Stunden und warteten.

Als wir dann endlich in die Wohnung konnten, legten wir unsere Sachen ab und machten uns nochmal auf den Weg um uns einen Überblick über die Stadt zu verschaffen.
Wir bummelten fast 1,5 Stunden in nur einer Straße rum, um genauer zu sein in der Cockburn Street. Diese beherbergt nämlich ganz zauberhafte Geschäfte in denen man die schönsten Andenken und Kleinigkeiten bekommt. Natürlich auch einen Museum Context in dem es Harry Potter Merch und andere magische Dinge gab.

Die Royal Mile mieden wir weitesgehend, denn das Fringe Festival war noch im vollen Gange. Die Straßen waren voll mit Touristen, Artisten und Leuten die einem Flyer ihrer Shows andrehen wollten. Wer schonmal in Edinburgh war, empfindet die Festivals vielleicht nochmal als Grund um hin zu Fliegen, ich empfand es nur als extrem überfüllt und unangenehm.

Wir gingen zu einem der vielen Restaurants die ich im Vorfelde heraus gesucht habe, da ich vegan esse wollte ich auf Nummer sicher gehen und habe stundenlang recherchiert. Obwohl es in Edinburgh kaum notwendig ist, um ehrlich zu sein! Vegane Optionen hatte nämlich eigentlich jedes Restaurant oder jeder Imbiss. Da sind die Schotten sehr sehr viel weiter als wir Deutschen…

Wir waren bei Illegal Jack’s, ein recht günstiger Mexikanisch angehauchter Schuppen, der wirklich wahnsinnig leckere Quesedillas hatte! Die Bedienung war unendlich freundlich und hilfsbereit. Ich habe mich sofort sehr wohl gefühlt in Edinburgh. Ich muss sagen diesen Service könnte sich so ziemlich jeder deutsche Laden abgucken… Und vorallem wenn es um Vegane Gerichte geht, wird hier ganz schnell mal ein dummer Spruch gebracht oder die Augen gerollt. In Edinburgh, war es selbstverständlich vegane und auch glutenfreie Gerichte anzubieten und wenn mal etwas nicht speziell vegan markiert war (was nur einmal der Fall am Loch Ness war) wird sofort in der Küche gefragt, ohne vorherige Diskussion oder Bemerkungen. Eine wunderbare Stadt, schon jetzt!

Nachdem unsere Bäuche voll waren gingen wir noch ein wenig weiter durch die Stadt, liefen die Victoria Street hoch und schauten uns die nächsten Nerdläden an, die es dort wirklich zu Hauf gibt. In dem Museum Context in der Straße gibt es ganz oben einen kleinen Fotospot, an dem man sich wie ein Hogwarts Schüler verkleiden kann!

Wir gingen noch schnell beim Tesco um die Ecke einkaufen und ließen uns dann in der Wohnung ganz schnell ins Bett fallen. Was ein aufregender Tag. Ich war noch immer geflasht von dem Flug und von dieser ganz anderen Stadt und Kultur.

 
 

Tag 2 unseres Trips begann früh Morgens mit einem guten Frühstück und einer verfeinerten Planung unserer Erkundungsstrecke. Als wir losgingen hing der Nebel noch tief über der Stadt und zauberte eine mystische Stimmung. Ein wahrgewordener Traum, für mich als Fotografin.

Die Formen und Strukturen der Gebäude, die Farben und die großen, weiß verzierten Fenster ergaben ein wundervolles Gesamtbild und ich hätte schwören können, ohne die Autos und die moderne Technik, war diese Stadt noch immer so wie vor mehreren hundert Jahren. Wie in einem alten Film, einer anderen Zeit fühlte ich mich, als wir über die North Bridge gingen. Unser Weg führte ein Stück über die Royal Mile, die um diese Uhrzeit noch relativ leer war. Wir konnten also endlich auch mal die Läden und Pubs dieser Straße sehen, ohne zig Touristen vor uns her zu schieben. Und es ist ein passender Name, immerhin führt die Royal Mile geradewegs auf das Edinburgh Castle zu und hat mit einigen Kirchen und wirklich alten Gemäuern etwas sehr königliches an sich.

Als kleinen Tipp möchte ich übrigens die ganzen kleinen Gänge die von der Royal Mile abgehen empfehlen. Selbst wenn man nicht komplett durch geht so geben die sogenannten “Close” einen ganz anderen Enblick in die Seele und Geschichte der Stadt. Als Fotomotiv eignen sie sich natürlich auch perfekt!

Unser erstes Ziel am Sonntag war der Holyrood Park mit dem Arthur’s Seat als Höhepunkt mit 251 Metern. Der ganze Park ist eigentlich ein einziges großes Überbleibsel eines Vulkansystems und bietet somit ein Haufen möglicher Wege und Aussichten. Direkt an der Old Town liegt dieses aus dem Boden ragende Gebilde. Ich war wahnsinnig fasziniert, als wir um die Straßenecke bogen und sich aus dem Nebel diese Wand erhob. Fast schon unrealistisch.

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Wir merkten schnell, dass es eine sehr gue Idee war dorthin zu gehen. Die Natur war wirklich atemberaubend. So nah an der Stadt einen Berg zu bewandern ist wahrlich eine seltene Möglichkeit. Natürlich waren auch viele Andere auf den Wegen der Natur unterwegs, aber durch die Weitläufigkeit dieses Parks, hatte man genug Abstand von einander und konnte die Natur richtig aufnehmen. Viele Jogger und Hundebesitzer waren dort unterwegs und ich kann es ihnen nicht verübeln, dort Morgens mit Atlas lang zu gehen wäre schon ein kleines Träumchen.

Der Nebel hing an den Hügeln und ein warm feuchtes Klima umgab uns. Der Boden, an manchen Stellen moorig, beherbergte lebendige Pflanzen und versprühte eine glasklare und nasse Luft. Wie ein feiner Vorhang aus Wassertropfen. Ich genoss jeden Atemzug ganz bewusst, nahm die Natur in mich auf und war endlich angekommen. Ich fühlte mich endlich wieder richtig wohl und hatte das Gefühl nun den Urlaub richtig erleben zu können, war die Angst vom ersten Flug nun endlich verflogen.

Wir wanderten die Hügel hinauf, an dichten saftigen Pflanzen vorbei, arbeiteten wir uns immer weiter den Arthur’s Seat rauf. Der Nebel stieg mit uns an und erlaubte uns einen Blick auf das Tal, von dem wir kamen, zu erhaschen. Ich denke nun lasse ich lieber Bilder als Worte sprechen, für die Natur die wir da erleben durften.

Kurz vor der Kreuzung zu dem Weg “ The Dasses” machten wir eine kleine Pause. Zeit für ein paar Touri Bilder! Der Nebel war einfach zu gut, als dieses Fotomotiv ungenutzt zu lassen.

Wir setzten unseren Aufstieg fort, der nun sehr viel steiler war und uns doch gut anstrengte. Festes Schuhwerk und Ausdauer ist für einen Ausflug in den Holyrood Park also durchaus eine wichtige Voraussetzung.

Oben angekommen war die Spitze des Arthur’s Seat nicht ganz so besonders wie wir dachten, ein weißer Stein ragte aus dem höchsten Punkt und darum sammelten sich die Menschen wie Fliegen. Ein kurzer Blick von oben und wir suchten uns einen etwas freieren Platz an dem wir dann eine längere Pause für Snacks und Planung einlegten. Trotz der vielen Menschen, lohnt sich Arthur’s Seat. Die Aussicht über Edinburgh ist unbezahlbar und absolut einen Blick wert!

Nach einer Weile und viel Sonne begaben wir uns wieder auf den Rückweg, wir machten einen kleinen Abstecher an den Saint Anthony's Chapel Ruins und erlebten den wohl schottischsten Moment den man haben könnte. Auf der großen Grünfläche gegenüber stand doch tatsächlich ein Dudelsackspieler, der dort anfing seinen Dudelsack ertönen zu lassen. Wir schauten uns an und waren beide total happy genau in diesem Moment diese Musik zu hören. Mit dem Blick auf die Ruinen, den Palace of Holyroodhouse und Edinburgh, begleitet vom Dudelsack, verließen wir den Holyrood Park. Wir luscherten kurz von Außen in den Palace und machten uns dann auf den Weg um den Holyrood Park richtung der Meadows zu gehen. Dort gibt es nämlich den wohl genialsten und leckersten Doughnut Shop aus ganz Edinburgh! Komplett Vegan!!

Den Himmel unter den Leckerein findet ihr bei Considerit. Ein ganz ganz toller süßer Laden der ausschließlich vegane Produkte anbietet. Von Doughnuts, über Eis und Kaffee bis hin zu kleinem Naschkram. Der lange Weg dorthin lohnt sich, denn diese Doughnuts schmecken meiner Meinung nach noch besser als die mit tierlichen Produkten. Weniger fettig und nicht so extrem süß kommen diese soften Teigkringel mit verschiedenen Toppings daher. Und wer so richtig schlemmen will lässt sich einen Doughnut mit Eis und weiteren Toppings füllen! Hier in Hamburg habe ich noch keine veganen Doughnuts gefunden, also an die Startups; VEGANE DOUGHNUTS - Bitte!

Durch die Meadows ging es die Lothian Road entlang bis zur St. Johns Church und durch die Princes Street Gardens um dann durch Old Town zu schlendern, den Greyfriars Kirkyard zu besuchen und schlussendlich beim Calton Hill den Sonnenuntergang zu bezeugen. 28.000 Schritte gingen wir diesen Tag. Danach waren wir absolut geschafft aber es hatte sich so gelohnt. Edinburgh eignet sich hervoragend zum schlendern und zum zu Fuß erkunden. Natürlich braucht man eine gewisse Ausdauer weil es immer wieder rauf und runter geht, aber so sieht man einfach am meisten von den tollen kleinen Lädchen die es dort gibt und die vielen kleinen Pubs und Restaurants die alle so charmant eingerichtet sind.

Auf dem Greyfriars Kirkyard findet man ein paar Namen die auch in den Harry Potter Büchern vorkommen, da J.K. Rowling wohl ihre Inspiration dorther zog. An sich für jeden Fan eine tolle Fundgrube, aber bitte vergesst nicht, dass dies ein Friedhof ist. Der Harry Potter Wahn wird dort bis auf’s Äußerste ausgeschlachtet und so sieht leider auch der Friedhof aus. Absperrzäune die teils umgerissen wurden und überall zertrampelte Gräber. Respektvoll ist was anderes.

Auf dem Calton Hill war der Blick auf die Stadt auch wirklich schön, mehr jedoch gefiel uns der Ausblick richtung Meer und der Forth Road Bridge. Die Schattierungen und die verschiedenen Ebenen der Stadt kommen hier so richtig zur Geltung und die ganzen Schornsteine sind genial. Ein wunderbarer langer Tag ging mit einem der schönsten Sonnenuntergänge und zwei starken Sonnenbränden zu Ende.

 
 

Hiermit endet nun der erste Teil meines Edinburgh Reiseberichts!
Schon jetzt kann ich aber sagen, das Beste kommt erst noch!


Danke, dass du meinen Beitrag gelesen hast!
Angi ♥